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Der Betreiber dieser Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell
in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im
damaligen West-Deutschland)
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Schreiben
der Frauen Gisela Nurthen und Marion Zagermann, zwei der Betroffenen der „Ehemaligen
Heimkinder“, an die Bundesministerin der Justiz, Frau Brigitte
Zypries, vom 15. Dezember 2003, betreffs „Kindesmisshandlung“
erlitten von ihnen selbst und einer großen Anzahl der
Betroffenen in Institutionen meistens kirchlicher Trägerschaft.
Gisela Nurthen und
und Marion Zagermann
[ Hausanschrift, vertraulich ]
[ Ortschaft, vertraulich ],
den
15.12.2003
An die
Bundesministerin der Justiz
Frau Brigitte Zypries
Mohrenstrasse
37
10117 Berlin
Betrifft: Schwerer Missbrauch
gegenüber der in Obhut gegebenen Kinder und Jugendlichen während
ihrer Heimunterbringung zwischen 1945 und 1985.
Sehr
geehrte Frau Zypries,
ich nehme hier kurz Stellung zu ihrem
Brief an Frau Ute Berg vom 28.11.2003. Wir selbst sind Betroffene und
Geschädigte dieser 'Fürsorge'-Erziehung in den 60er und
70er Jahren.
Ich bin der Meinung, dass nicht nur aus heutiger
Sicht unsere Schicksale erschütternd sind, sie sind und waren
einfach erschütternd. Ich weiß nicht, was Sie mit
"Extremfällen" meinen? Selbst wenn es ein allgemein
gültiges Bild in anderen kirchlichen Kinder- und Fürsorgeheimen
gewesen ist, können Sie es nicht einfach damit
entschuldigen.
Damalige "Werte" und
"Rechtsvorstellungen" legitimieren sicherlich nicht die
massivsten Misshandlungen (Erbrochenes aus der Kloschüssel
essen, Bettnässer-Kinder ein paarmal unter kaltes Badewasser
tauchen bis kurz vor’m Ersticken [sic], Kinder mit
urin-nasser Hose Parade laufen lassen, um mit beauftragtem Hohn und
Spot der anderen [Kinder] verhöhnt zu werden? Oder mit
urin-getränktem Laken so lange stehen zu müssen, bis es
trocken war? Mit Peitschen blutig geschlagen zu werden; wegen
Sprechens oder Lachens in Isolierhaft zu kommen, bei verschimmeltem
Brot und Wasser? Oder das Beichtgeheimnis? Auch dieses wurde in
einigen Heimen verletzt und der Beichtvater hielt danach den Stock
zusätzlich bereit.
Ob diese Menschen wohl jemals wieder
vertrauen konnten?
Sexueller Missbrauch, sexuelle
Misshandlungen durch Ordenspersonal, Pfarrer, und Bedienstete. All’
das wurde uns jahrelang zugefügt.
Was wir uns auch nicht
vorstellen können: dass die Definition in den 50er, 60er, 70er
Jahren bezüglich „FÜRSORGE-ERZIEHUNG“ massivste
Misshandlungen, Folter, und sexuellen Missbrauch
beinhaltete.
Ebenfalls unvostellbar ist, dass die
Weltanschauung der Kirche vor 40-50 Jahren eine andere war als das,
was sie sich auch heute noch auf ihre „Fahne“ schreibt,
nämlich: Nächstenliebe, Hilfe gegenüber den Ärmsten,
aber ganz besonders Schutz und Liebe gegenüber den verlassenen
Kindern. Setzt man dies um in die Realität, scheint es einer
Schizophrenie gleichzukommen. Nächstenliebe hat keiner von uns
erfahren dürfen.
Die Gesetzgebungen mit ihren Paragrafen
geben einen politisch-korrekten Eindruck, entsprechen aber nicht der
Realität.
Wir befinden uns seit Jahren in Therapie (inkl.
Beratungsstellen), aber Opfer der 'Fürsorge'-Einrichtungen
verdienen öffentliche Beachtung und Anerkennung der ihnen
zugefügten Verletzungen, der physischen, der psychischen und
sexuellen Gewalt. Nur dies ist ein Moment, das den Anstoß zu
einer Heilung geben kann.
Wir benötigen für unsere
Heilung eine öffentliche Auseinandersetzung und Akzeptanz von
Seiten der Verantwortlichen: Kirche, Staat und
Politik.
Bagatellisierung entbindet die Täter und
Täterinnen von der Verantwortung für die Tat, weisen die
Schuld anderen Personen oder bestimmten Umständen ("Normen"
und "Wertevorstellungen") zu.
Ich hoffe, dass Sie
uns Betroffene durch diesen Brief etwas besser verstehen werden und
auch eine andere Sicht einnehmen können.
Es wäre
schön, wenn Sie sich bald bei uns melden und uns mitteilen
[würden], wie Sie uns in Ihrer Position unterstützen
können.
Wir wünschen Ihnen frohe Festtage,
mit
freundlichen Grüßen,
Gisela Nurthen
Marion Zagermann
Inkl.
3x Anlage
[
Die Überschrift, kursive, fette, ausgedehnte und in
rechteckige Klammern gesetzte und wiedergegebene Schrift, und
verschiedene Schriftarten, in diesem Schreiben wurde(n) zum Zwecke
der Betonung und Aufklärung von dem jetzigen Redakteur
hinzugefügt ]
[
Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 1. Juni 2004 ]
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