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Das alles ist viele
Jahre her. Was blieb, sind Wunden, die nie verheilt sind:
„Manuel ist heute erwachsen und ein vom Leben zerstörter
Mensch“, sagt seine Mutter.
Hölle auf
Erden. Jetzt, da Mutter und Sohn fast tagtäglich in den
Medien über den Sexskandal im Priesterseminar St. Pölten
lesen müssen und in diesem Zusammenhang auch immer wieder
der „Fall Groër“ erwähnt wird, werden die
beiden mit ihren eigenen traurigen Erinnerungen konfrontiert.
Denn dort, wo Manuel getreu den göttlichen Geboten auf das
Leben hätte vorbereitet werden sollen, hat er die Hölle
auf Erden erlebt. Gottlose Drohungen und sexuellen Missbrauch in
vielen Fällen. Was Manuel über seine Internatszeit
hinter Klostermauern erzählte, offenbarte ein
erschütterndes Sittenbild. Dazu seine Mutter: „Jetzt
kommt alles wieder in uns hoch. Es tut so weh, vor allem weil
uns nicht geglaubt oder, einfacher gesagt, nicht geglaubt werden
wollte …“
Obwohl zwei Kinderpsychiater dem
damals Elfjährigen die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen
attestierten, schmetterte die Staatsanwaltschaft die Anklage
nieder. „Wir standen einer mächtigen Gegnerschaft von
Vertuschern und Seilschaften gegenüber“, sagt Eva N.
Die entrüstete Mutter: „Von der damaligen
Schulleitung wurde mir sogar Geld angeboten, ich habe abgelehnt,
weil ich Gerechtigkeit wollte.“ Doch dort, wo die
christliche Nächstenliebe gelebt werden sollte, fand sie
diese Gerechtigkeit nie. Auch nicht in der Justiz. Die
Staatsanwälte waren in diesem Fall so zauderhaft, als
müssten sie ihre eigenen Väter unter Anklage stellen.
„Warum wohl wurden die Verdächtigen erst ein halbes
Jahr nach der Anzeige vom Gericht verhört?“, versteht
das die Frau bis heute nicht. Und immer wieder stellt sie sich
die Frage, warum eine von der Kriminalpolizei dringend
empfohlene Hausdurchsuchung – „Verdunkelungsgefahr!“
– im Kloster erst vier Jahre später stattfand.
„Natürlich wurde da kein belastendes Fotomaterial
mehr gefunden“, kommt es bitter über ihre Lippen. Der
Frau fällt es sichtlich schwer, noch einmal von jener Zeit
zu reden, als sie merkte, dass sich ihr Sohn immer mehr in sich
zurückzog, immer stiller wurde, sie ihn eines Tages im
Badezimmer erwischte, als er gerade Tabletten schlucken wollte,
um zu sterben …
Manuels Leidensweg. Es war
der Tag im Juni 1993, als sich Manuels Augen mit Tränen
füllten und er seiner entsetzten Mutter gestand, dass „in
unserer Schule furchtbare Dinge passieren“. Und endlich
erzählte er, was er die letzten Monate durchmachen musste.
Dass er zehn Monate zuvor zum ersten Mal in das Zimmer eines
Erziehers befohlen wurde und dass er sich dort unter Drohungen
nackt ausziehen musste. Auch der Erzieher sei nackt gewesen. Eva
N.: „Was ich da zu hören bekam, konnte ich anfangs
gar nicht fassen. Der Manuel erzählte, wie ihn dieser
Mensch zuerst zwang, ‚nur‘ sein Glied zu reiben.
Kurz darauf wusste ich, dass mein Kind auch von ihm vergewaltigt
wurde, dass in den Wochen darauf immer mehr Männer im
bewussten Zimmer zusammenkamen.“ Eva N. wird wütend,
wenn sie daran denkt, wie sehr sie und ihr Kind gedemütigt
wurden.
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Networld
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